• Ich bin nun endlich dran an einem relativ späten Landsknecht, dem Vorbild des grandiosen Christoph folgend. Seit längerem wollte ich den wiki Artikel um die typische Silhouette des Landsknechts ab 1560 rum erweitern, interessierte mich die Zeit schon aufgrund der Fechterei. Hier will ich nun lose dokumentieren, wie es mir dabei ergeht, auf diesem Weg, der nicht annähernd so einfach ist wie gedacht.

    Die Hose. Um Himmels Willen, die Hose. Diese verdammte Pluderhose. Ich hab mich grob am Schnittmuster von Janet Arnold's Interpretation von Erik Stures Hose gehalten, erweitert um die Hosentasche von Svante Sture und dem bauschigen oberen Teil aus einem frühen Manuskript von Joachim Meyers Kunst des Fechtens (verkürzt wiedergegeben). Anfangs dachte ich, dass dieses Ding viel leichter zu konzipieren wäre als eine Schamlatzhose.

    Das war ein Trugschluß.

    Es ist eine verdammte Schamlatzhose, mit komplexen Extras rund um die Oberschenkel. Kriegt man den Damm nicht eng, wirds am Arsch auch nicht eng. Es ist schlicht eine Schamlatzhose innen.


    Das Wams ist dafür ziemlich simpel. Die paar Linienänderungen am Schnitt sind einfach, die krasse Horizontalität weicht ein bisschen, das wars auch schon mMn. Der Kragen ist lustig und hoch, aber sonst nix besonderes.

    Es folgen Bilder ohne jeglichem Detail, kein einziger Schlitz wurde zu dem Zeitpunkt gesetzt, keine Zierstreifen angenäht. Der Chaperon hat natürlich gar nix mit Landsknechterei zu tun, der diente dem Setting des Abends, einem Witcher Larp.

    Aber ja, die Rosen sind wieder da.

  • Sehr gut, ich mags. Schöner Stil und natürlich besser genäht als mein Plunder :D Das Pludermonster ist schon ein Spaß. Meine Knielange Hose, wiegt 8kg wenn sie nass ist. das ist einfach nur viel Stoff mit Stoff

    Pieter van den Berg

    Seesoldat

    Koch

    Beste Maat - Marienburg

    • Official Post

    Mantel ist ein spannendes Thema. Fündig geworden bin ich in einem der drei erhaltenen Schnittbücher, dort sind jede Menge Varianten von Jacken, Mänteln etc. enthalten, die zu Zeit und Kultur passen. Für dieses Projekt erweist sich das Buch "Drei Schnittbucher: Three Austrian Master Tailor Books of the 16th Century" als sehr wertvoll.

    Da ich beim Wams und bei den Hosen schon eher den Weg des Geldes eingeschlagen hatte, hab ich mich für ein als im Buch vermerkter "Bürgermeister Gown" entschieden. Eine spannende Kombination aus Mantel und Umhang; der größte Teil liegt nicht eng an, sondern flattert rum wie ein Umhang. Scheinärmel hat das Ding auch.
    Ein Schnittmuster hab ich grad nicht bei der Hand, dafür ein Bild vom fertigen Stück:

    image.png

    Direkt an der Naht, an der der größte Teil des Mantels in Falten angenäht ist, befindet sich noch eine Haftel zum schließen. Ich bin btw. nicht innerhalb eines Jahres komplett ergraut, das ist weiße Farbe im Bart.

  • "Der Weg des Geldes" - wieviele Meter Stoff stecken in dem Mantel? Oder auch: Zu wievielt passt man da rein?

    Sehr schick! Sehr bürgerlich, wie Garfield sagte. Aber passt zum Rest und sieht großartig aus!

    Wenn du mit den ganzen Schlitzen und Zierstreifen etc. vom Wams fertig bist, könntest du, Post 1 folgend, noch ein Wams-Detail-Foto einstellen, damit auch alle die, die nicht zum DF kommen, vor Neid erblassen können.

    Die meisten haben [...] im Idealfall eine Frau, die den ganzen restlichen Schmarrn trägt.

  • Ach Hubert, hör doch auf immer die Messlatte noch ein Stückchen höher zu legen.

    Sehr sehr adrett.

    Die Mantelschnitte mag ich auch sehr gerne, trägt sich sehr gut.

    Dies, Das, Dinge - Char: Okzana Morrova

  • In Schluderns hatte ich die Gelegenheit, das gesamte dokumentieren zu lassen. Es war allerdings sehr heiß, entsprechend motiviert schau ich drein: